Der Kirchturm war ein Schwarzbau

Die katholische Kirche in Rosenhammer wird 100 Jahre alt - Enormer Aufschwung durch Vertriebene

Ein echtes Jubiläum kann in diesen Tagen die römisch-katholische Kirchengemeinde feiern: Ihre Pfarrkirche Sankt Michael wird 100 Jahre alt. Vier Wochen lang feiern die rund 1300 Katholiken diesen Geburtstag mit einem großen Programm. Höhepunkt wird der Besuch von Diözesanbischof Manfred Müller am Sonntag, 20. Mai, sein.

Die Geschichte des Gotteshauses ist untrennbar mit der Entwicklung der seit Mai 1963 selbstständigen Pfarrei Weidenberg verbunden. Die Erweiterung des Gotteshauses und dessen Ausgestaltung sowie der Aufbau einer selbstständigen Pfarrgemeinde sind auch das Lebenswerk von Bischöflich Geistlichem Rat Theodor Ernstberger, der dafür vor elf Jahren zum Ehrenbürger Weidenbergs ernannt wurde.

Im Jahre 1834 wurden die wenigen Katholiken im damals durchweg evangelischen Weidenberg im Namen des bayerischen Königs nach Kirchenpingarten eingepfarrt.

Dachte man noch 1890 daran, bei Gebhardt in Weidenberg einen Betsaal einzurichten, so erteilte der Regensburger Bischof am 18. Mai 1897 dem Kirchenpingartener Expositus Ludwig Wiesbeck die Anweisung, ein geeignetes Grundstück zum Bau einer Kirche zu erwerben.

Am 7. September 1897 konnte das fragliche Grundstück an der Nahtstelle zwischen Oberpfalz und Oberfranken vom Tagelöhner Johann Rupprecht für 4 900 Reichsmark erworben werden. Der Ort Rosenhammer wurde gewählt, weil er die Mitte zwischen den Katholiken in Weidenberg und Sophienthal war und weil sich in Rosenhammer eine beliebte Ausflugsgaststätte mit Brauerei befand. Schon damals also zeigte sich, dass Kirche und Wirtshaus durchaus geeignet sind, eine Symbiose einzugehen und beides in Bayern einfach zusammengehört.

Nach vielen Schwierigkeiten wurden am 26. Juli 1899 die Baupläne „im Namen Seiner Majestät des Königs" durch „Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold, des Königreiches Bayern Verweser" genehmigt.

Am 20. September 1899 erteilt das Bischöfliche Ordinariat in Regensburg Pfarrer Wiesbeck den Auftrag, mit dem Bau der Kirche zu beginnen: Das alteingesessene Baugeschäft Popp in Weidenberg wurde mit dem Kirchenbau beauftragt.

Am 9. Oktober 1901 erfolgte die Benediktion der Kirche durch Dekan Fertsch aus Mockersdorf. Am 6. Juli 1902 schließlich wurde die Rosenhammerkirche durch Weihbischof Sigismund Freiherr von Ow ganz offiziell geweiht und dem Erzengel Michael unterstellt.

Ein Kuriosum am Rande: Da die Baupläne für das Kirchlein lediglich einen kleinen Dachreiter mit einem Glöckchen vorsahen, ließ Pfarrer Wiesbeck eigenmächtig einen Turm errichten, der auch heute noch steht. Der Expositus von Kirchenpingarten wurde deshalb von der königlichen Regierung mit einer Strafe von 20 Gulden belegt - vom Regensburger Bischof aber wegen des Schwarzbaus belobigt. Die Stellungnahme der Baukommission aus Bayreuth lautete damals versöhnlich: „Da der Turm so schön in das Steinachthal passt, wird davon abgesehen, diesen wieder abreißen zu lassen." Am 4. August 1928 wurde der Turm allerdings von einem Orkan „enthauptet".

1950 wurde der Kirchenpingartener Kaplan Anton Zapf zum ständigen Seelsorger und damit zum ersten katholischen Pfarrer in Weidenberg ernannt. Sein Nachfolger war Theodor Ernstbergen der die Weidenberger Pfarrei aufbaute und hier bis zu seiner Ruhestandsversetzung am 31. August 1990 blieb.

Als am 27. Juli 1953 Erzbischof Michael Buchberger im Rosenhammerkirchlein die Firmung spendete, erkannte er die Raumnot der Weidenberger Katholiken und gab Anton Zapf die Anweisung, Baupläne zur Vergrößerung des Gotteshauses erstellen zu lassen. Es sollten 300 Sitzplätze geschaffen werden. Am 16. Juli 1956 konnte das jetzt mehr als doppelt so große Gotteshaus eingeweiht werden. Mit viel Idealismus und finanziellem Einsatz wurde das Gotteshaus unter Federführung von Pfarrer Theodor Ernstberger ausgestattet.

Über 35 Jahre lang war Theodor Ernstberger Pfarrer in Rosenhammer. Seit dem 1. September 2000 ist der polnische Priester Wojciech Wysocki als Pfarradministrator für die Weidenberger Seelsorgestelle verantwortlich.

Pfarrer Christian Rakete, bereits ein Jahr Pfarrer von Kirchenpingarten mit Haidenaab, übernahm am 1. September 2007 die Seelsorgeeinheit Kirchenpingarten/Weidenberg. Seit September 2009 wirken Pfarrer Reinhard Forster und Pfarrvikar Pater Jaison Thomas als Seelsorger in unserer Seelsorgeeinheit Kirchenpingarten/Weidenberg.